»In der Liturgie handelt es sich wesentlich nicht um Gedanken, sondern um Wirklich- keit. Und nicht um vergangene Wirklichkeit, sondern um gegenwärtige, die immer aufs Neue geschieht; um Menschenwirklichkeit in Gestalt und Handlung. Die aber bringt man nicht nahe, indem man sagt: Sie ist damals entstanden, und hat sich so und so entwickelt. Auch nicht, indem man ihr irgendwelche Lehrgedanken unterlegt. Sondern indem man hilft, an der leibhaftigen Gestalt das Innere abzulesen: am Leib die Seele, am irdischen Vorgang das Geistlich-Verborgene… Der Weg zu liturgischem Leben führt nicht durch bloße Belehrung, sondern entscheiderweise durch Schauen und Tun.«

Romano Guardini, 1927